Konzept zu den Baumskulpturen
Seit Urzeiten besteht eine enge, wechselseitige Verbindung zwischen Mensch und Baum und in allen Kulturkreisen finden sich Darstellungen, Mythen und Verehrungen des Baumes, der Himmel, Erde und Unterwelt miteinander verbindet.
Der Baum als Symbol für das menschliche Leben: Er hat seine Kraft nur durch starke Verwurzelung mit der Erde und durch die Ernährung aus der Erde. Die Sehnsucht nach Licht und dem Himmel treibt ihn in die Höhe und läßt ihn wachsen, die täglichen Einflüsse von Außen formen ihn, biegen ihn und manchmal brechen sie ihn. Mit seiner dicken Rinde wirkt er unverletzlich, doch verletzt man ihn, blutet er und er stirbt, wenn Wasser, Luft und Erde vergiftet sind.
Das Leben des Baumes vollzieht sich als ewige Metamorphose des Stirb-und-werde und wie er finden auch wir Menschen uns zu den Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter in Stimmungen wie Aufbruch, Blüte, Ernte und Ruhezeit.
Das Konzept meiner bildhauerischen Arbeit besteht darin, Bäume, die gefällt werden mußten, in’s Atelier zu holen, sie dort zu entrinden und zu betrachten, ihrer gewachsenen Form nachzugehen und in dieser Form eine Ahnung von menschlichem Körper zu entdecken und behutsam hervorzuholen.
Dabei arbeite ich nur bedingt mit Motorsäge, vielmehr mit Stechbeitel und vor allem mit Flex und Schleifscheiben. So entstehen Baum-Menschen, Metamorphosen, bildhaftes Verwachsensein des Menschen mit dem Baum und umgekehrt. Am Ende meiner Arbeit verbrenne ich die äußerste Schicht der Baumskulpturen und öle sie mehrmals mit Leinöl.
Dadurch wird der Baum versiegelt und erhält eine schwarz-seidig schimmernde Oberfläche, die sich anfühlt wie menschliche Haut.
Der Baum durchläuft eine Metamorphose, wobei er zum größten Teil seine individuell gewachsene Form behält und sich aber doch in neuem Ausdruck wiederfindet.
Es entstehen Gestalten : gekrümmt, gestreckt, bewegt, ruhig, stolz, demütig.
Diese Baum-Wesen nun bringe ich zurück an den Ort, an dem sie ihr Leben lang gestanden haben, um sie zu ehren und damit sie ihren Platz wieder einnehmen können und uns Menschen erinnern und mahnen an die lebenswichtige Verbindung, die zwischen ihnen und uns besteht.
Franziska Uhl
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